Serbien

ÔĽŅ
Serbien
SeŐ£r|bi|en; -s:
Staat in S√ľdosteuropa.

* * *

SeŐ£rbi|en,
 
serbisch SrŐ£bija, amtlich serbisch Republika SrŐ£bija, Teilrepublik von Jugoslawien, 88 361 km2, (1995) 9,9 Mio. Einwohner, Hauptstadt ist Belgrad; ohne die Provinzen Kosovo und Wojwodina, deren Autonomiestatus 1990 aufgehoben worden ist, umfasst Serbien 55 968 km2 mit (1995) 5,8 Mio. Einwohner (Engeres Serbien).
 
Landesnatur:
 
Im Norden (im Wesentlichen in der Wojwodina) hat Serbien Anteil am Gro√üen Ungarischen Tiefland (mit Batschka, Sirmien und westlichem Banat), das von dem isolierten Gebirgsstock FruŇ°ka gora √ľberragt und von der Donau und ihrem Zufluss Thei√ü durchflossen wird. S√ľdlich von Save und Donau schlie√üt sich ein H√ľgel- und Gebirgsland mit der fruchtbaren ҆umadija (s√ľdlich von Belgrad), dem erzreichen Kopaonikgebirge (bis 2 017 m √ľber dem Meeresspiegel) und anderen H√∂henz√ľgen des Dinar. Gebirges, dem Serbischen Erzgebirge und den Ausl√§ufern des Westlichen Balkan (bis 2 168 m √ľber dem Meeresspiegel) an. Dieses Gebirgsland wird von der S√ľdlichen Morava und (anschlie√üend) der Gro√üen Morava ann√§hernd in S√ľd-Nordrichtung durchflossen. Das Tal bildet eine wichtige Verkehrsleitlinie (Teil der Morava-Vadar-Furche). Die h√∂chsten Erhebungen liegen an der Grenze zu Albanien (ńźaravica, 2 656 m √ľber dem Meeresspiegel), Montenegro und zur Republik Makedonien. Den S√ľdwesten Serbiens (das Kosovo) bestimmen die intramontanen Beckenlandschaften Amselfeld und Metohija. - Das Klima ist gem√§√üigt kontinental und tr√§gt im S√ľden mediterrane Z√ľge. Etwa ein Drittel des Landes ist bewaldet.
 
 
Nach der Volksz√§hlung 1991 sind 66 % der Bewohner Serben, die v. a. der serbisch-orthodoxen Kirche angeh√∂ren (im Engeren Serbien betr√§gt der Serbenanteil 88 %). 5 % der Bev√∂lkerung bezeichnen sich als Jugoslawen. Gr√∂√üte Minderheiten sind mit 17 % die Albaner (im Kosovo) und mit 3,5 % die Ungarn (in der Wojwodina). Etwa 8,5 % der Bev√∂lkerung geh√∂ren anderen Volksgruppen (u. a. Muslime, Montenegriner, Slowaken, Rum√§nen, Bulgaren) an. Als Folge des Krieges in Kroatien sowie in Bosnien und Herzegowina sind zahlreiche Kroaten und Muslime in benachbarte Staaten geflohen; 607 000 serbische Fl√ľchtlinge kamen aus den umk√§mpften Gebieten nach Serbien.
 
 
Im ehemaligen Jugoslawien war Serbien mit etwa 36 % am gesamten Bruttoinlandsprodukt beteiligt. Hauptwirtschaftsbereiche sind Landwirtschaft und Industrie. Die wichtigsten Landwirtschaftsgebiete sind die Wojwodina und das Moravatal; angebaut werden Getreide (Weizen, Mais, Roggen), Zuckerr√ľben, Hanf, Sonnenblumen sowie im S√ľden Tabak; Obstbau ist weit verbreitet (besonders Pflaumen f√ľr die Slibowitzherstellung), im Moravatal und im Nordosten auch Weinbau. In den Ackerbaugebieten herrscht Schweine- und Rinderzucht, in den Gebirgen Schafhaltung vor. Serbien ist reich an Bodensch√§tzen. Es werden Kupfer-, Zink-, Antimon- und Eisenerze, besonders im Serbischen Erzgebirge und im Kopaonikgebirge, daneben Braunkohle und in geringem Ma√üe Steinkohle und Erd√∂l gef√∂rdert (Eisenerzverh√ľttung in Smederovo, Buntmetallh√ľtten in Bor und Trepńća). Die verarbeitende Industrie umfasst Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische und petrochemische, elektrotechnisch-elektronische, Leder- und Schuh- sowie Textil- und Nahrungsmittelindustrie; ihre wichtigsten Standorte sind Belgrad, Smederovo, Kragujevac, Kraljevo, KruŇ°evac, NiŇ° und Subotica. Die Energieerzeugung basiert auf dem Donaukraftwerk am Eisernen Tor und zahlreichen Braunkohlenkraftwerken.
 
 
Die ersten ethnisch fassbaren Bewohner waren illyrische, thrakische und keltische St√§mme. Im 3. Jahrhundert v. Chr. begannen die R√∂mer von der K√ľste her die Unterwerfung der sp√§teren Provinz Dalmatia (Dalmatien) und Moesia superior (M√∂sien). Im 7. Jahrhundert n. Chr. wanderten aus dem Nordosten die s√ľdslawischen Serben ein, die vom 8. bis 12. Jahrhundert fast ununterbrochen unter bulgarischer oder byzantinischer Herrschaft, seit 1123 unter der der Nemanjiden standen. Gro√üŇĺupan Stephan Nemanja (1168-96) erreichte nach 1180 die Unabh√§ngigkeit seines F√ľrstentums Raszien, das er mit Zeta (Montenegro) vereinigte. Sein Sohn Stephan Prvovenńćani (1196 bis um 1228) erhielt 1217 von Papst Honorius III. die K√∂nigskrone; 1219 wurde ein von Konstantinopel unabh√§ngiges Erzbistum geschaffen (Sava). Unter Stephan IV. DuŇ°an (1331-55) erreichte dieses altserbische Reich (Hauptstadt: Skopje) seine gr√∂√üte Ausdehnung; er gewann Makedonien, Thessalien, Albanien sowie Epirus und nahm 1346 den Zarentitel an. Nach Stephans Tod (1355) verfiel dieses Reich rasch. Nach der serbischen Niederlage in der Schlacht auf dem Amselfeld unter F√ľrst Lazar I. Hrebeljanovińá (¬ĽVidovdan¬ę 1389) unterwarfen die T√ľrken Serbien (seit 1459 osmanischer Paschalik), endg√ľltig 1521 (Eroberung Belgrads). Die serbische Oberschicht wurde vernichtet beziehungsweise islamisiert. Der Unabh√§ngigkeitswille lebte fort in den Uskoken, in den serbischen Bergst√§mmen Montenegros und in der serbisch-orthodoxen Kirche. Seit dem 17. Jahrhundert regte sich Widerstand in der Form des R√§uberkriegertums der Heiducken. Ab 1690 wanderten viele Serben aufgrund osmanischer Repressalien nach S√ľdungarn und (schon seit dem 16. Jahrhundert) in Gebiete der √∂sterreichischen Milit√§rgrenze (sp√§tere Krajina) aus; in die frei gewordenen serbischen Kerngebiete (Altserbien, Engeres Serbien) r√ľckten Albaner nach (Ursprung des heutigen Kosovo-Problems). Nordserbien war 1718-39 unter √∂sterreichischer Herrschaft; danach wurde die Save-Donau-Linie zur Grenze zwischen Serbien und dem osmanischen Reich. In der zuvor entv√∂lkerten ҆umadija (Nordserbien; Paschalik Belgrad) siedelten sich bis um 1750 Serben aus dem S√ľden an.
 
Der Freiheitskampf gegen die T√ľrken begann 1804-06 mit einem ersten Aufstand des Heiducken KarańĎorńĎe in Belgrad. Die durch den russisch-t√ľrkischen Frieden von Bukarest (1812) gewonnene Autonomie nahm der Sultan wieder zur√ľck. Nach der zweiten Erhebung unter dem Bauernf√ľhrer (Knez) MiloŇ° Obrenovińá (1815) wurde Serbien 1817 tributpflichtiges F√ľrstentum mit eingeschr√§nkter Selbstverwaltung und Religionsfreiheit (ab 1830 vollautonomes Erbf√ľrstentum unter osmanischer Oberhoheit); Hauptort war 1818-39 Kragujevac. Beide F√ľrstenh√§user, KarańĎorńĎevińá und Obrenovińá, rivalisierten noch bis 1903 um die Herrschaft in Serbien (bei wechselnder Anlehnung an Russland oder √Ėsterreich).
 
MiloŇ°, der 1817 von der Volksvertretung, der Skupschtina, zum erblichen F√ľrsten gew√§hlt wurde, regierte trotz der Verfassung von 1835 autorit√§r und musste 1839 abdanken. Nach kurzer Regierung seiner S√∂hne Milan und Michael w√§hlte die Skupschtina 1842 KarańĎorńĎes Sohn Alexander (KarańĎorńĎevińá) zum F√ľrsten. Unter ihm erhielt Serbien, das 1833 nach SW erweitert worden war, 1844 ein b√ľrgerliches Gesetzbuch nach √∂sterreichischem Vorbild. Gleichzeitig entwarf Innenminister I. GaraŇ°anin mit der Denkschrift ¬ĽNańćertanje¬ę (1844; erst 1906 in Serbien √∂ffentlich gemacht) die Vision einer Vereinigung aller S√ľdslawen innerhalb der Donaumonarchie in einem Reich unter serbischer F√ľhrung, die sp√§ter zum ¬Ľgro√üserbischen Programm¬ę erhoben und einer der Grundbausteine zur jugoslawischen Staatsidee des 20. Jahrhunderts wurde. 1858 setzte die Skupschtina Alexander ab und rief MiloŇ° zur√ľck. Ihm folgte sein Sohn Michael, der 1867 den Abzug der t√ľrkischen Garnisonen aus Serbien erreichte. Nach seiner Ermordung durch einen Anh√§nger der KarańĎorńĎevińá folgte 1868 sein Neffe Milan I. Obrenovińá.
 
Der Berliner Kongress (1878) sprach Serbien die volle Unabh√§ngigkeit und eine Gebietserweiterung nach S√ľden (11 000 km2, die Gebiete von Pirot, NiŇ°, Vranje) zu. Bosnien, die Herzegowina und Novi Pazar wurden jedoch von √Ėsterreich-Ungarn besetzt. 1882 wurde Serbien zum K√∂nigreich erhoben. Die Vereinigung der t√ľrkischen autonomen Provinz Ostrumelien mit Bulgarien veranlasste Milan 1885 zur Annexion Ostrumeliens und damit zum Angriff gegen Bulgarien (Serbisch-Bulgarischer Krieg). Nach dem bulgarischen Sieg bei Sliwniza nahe Sofia (17.-19. 11. 1885) verhinderte nur das Eingreifen √Ėsterreich-Ungarns im Frieden von Bukarest (3. 3. 1886 Gebietsverluste der unterlegenen Serben. 1889 dankte Milan zugunsten seines Sohnes Alexander (Alexander I. Obrenovińá) ab, der mit seiner Frau Draga durch eine Offiziersverschw√∂rung (die sp√§tere Schwarze Hand) ermordet wurde. Unter seinem Nachfolger Petar KarańĎorńĎevińá (K√∂nig Peter I., 1903-18) kehrte N. PaŇ°ińá zu einer gegen √Ėsterreich-Ungarn gerichteten Au√üenpolitik im Sinne der gro√üserbischen Idee zur√ľck (Omladina). Der √∂sterreichisch-serbische Gegensatz vertiefte sich durch die √∂sterreichisch-ungarische Annexion Bosniens und der Herzegowina (1908) sowie durch die serbischen Erfolge in den Balkankriegen (1912/13; Zugewinn Makedoniens als ¬ĽS√ľdserbien¬ę und des Kosovo). Das ¬ĽAttentat von Sarajevo¬ę (28. 6.; Schwarze Hand) f√ľhrte am 28. 7. 1914 zur Kriegserkl√§rung √Ėsterreich-Ungarns an Serbien und damit zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach schweren Abwehrk√§mpfen wurde Serbien 1915-16 von den Mittelm√§chten besetzt. Am 1. 12. 1918 kam es zur Bildung eines Serbien (seit 1919/20 mit der Wojwodina), Montenegro und alle s√ľdslawischen Gebiete √Ėsterreich-Ungarns umfassenden K√∂nigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Dieser Staat, der sich seit 1929 ¬ĽJugoslawien¬ę nannte, blieb belastet durch die Hegemonie Serbiens sowie Spannungen v. a. zwischen Serben und Kroaten; die Verst√§ndigung (¬Ľsporazum¬ę) vom 26. 8. 1939 kam zu sp√§t. Nach der Zerschlagung und Aufteilung Jugoslawiens (April 1941) durch die Achsenm√§chte wurde Restserbien deutscher Milit√§rverwaltung und einer Regierung unter General M. Nedińá unterstellt (bis 1944; Judenverfolgung, Widerstand kommunistischer Partisanen und nationalistischer ńĆetnici). Mit der Wiedererrichtung Jugoslawiens (1945) wurde Serbien 1946 (mit der Wojwodina und dem Kosovo) gr√∂√üte Teilrepublik, 1963 ¬ĽSozialistische Republik¬ę. Mit den Unruhen im Kosovo 1981 begannen die Versuche nichtserbische Bev√∂lkerungsgruppen, die serbische Vorherrschaft in Jugoslawien zu beenden. Gleichzeitig wuchs ein serbischer Nationalismus, an dessen Spitze sich KP-Chef S. MiloŇ°evińá (1986-89) stellte: u. a. Erneuerung der ¬ĽNańćertanje¬ę durch ein ¬ĽMemorandum¬ę der serbischen Akademie der Wissenschaften und K√ľnste (1986; D. ńÜosińá u. a.), 600-Jahr-Feier der Schlacht auf dem Amselfeld (Vidovdan 1989). Unter Pr√§sident MiloŇ°evińá (1989-97) kam es zur Aufhebung der Autonomie im Kosovo und der Wojwodina (bis Juli 1990). Damit trug Serbien hohe Mitverantwortung am Aufbrechen der nationalen Gegens√§tze.
 
Serbien, das sowohl das Staatspr√§sidium als auch die jugoslawische Armee (JVA) dominierte, setzte den 1989/90 zunehmenden Bestrebungen von Kroatien und Slowenien nach nationaler Selbstst√§ndigkeit wachsenden - auch milit√§rischen - Druck entgegen. In den v. a. von Serben bewohnten kroatischen Gebieten f√∂rderte Serbien 1990/91 Bestrebungen zum Anschluss an Serbien (Krajina). Bei den ersten freien Wahlen am 9. 12. 1990 siegte die Sozialistische Partei Serbiens (SPS; Juli 1990 aus dem Bund der Kommunisten Serbiens hervorgegangen); sie stellte seitdem den Pr√§sidenten und die Regierung (bis 1997). Ab 1990 verst√§rkte das an der jugoslawischen Staatsidee festhaltende Serbien seine Politik der ethnischen ¬ĽEntflechtung¬ę und Homogenisierung: Zun√§chst auch mithilfe der JVA sowie unterst√ľtzt von Freiwilligenverb√§nden serbischer Nationalisten ([Neo-]ńĆetnici) begann im Juli 1991 ein erster blutiger Krieg zum ¬ĽSchutz der serbischen Siedlungsr√§ume¬ę in Kroatien, Anfang April 1992 ein zweiter in Bosnien und Herzegowina (beide endg√ľltig 1995 beendet). Am 27. 4. 1992 proklamierte Serbien gemeinsam mit Montenegro eine neue Bundesrepublik Jugoslawien; ihre internationale Anerkennung erfolgte erst 1996. Unterdr√ľckung der Opposition, v. a. der ¬ĽSerbischen Erneuerungsbewegung¬ę (SPO) unter Vuk DraŇ°kovińá, und der nationalen Minderheiten, v. a. der Kosovo-Albaner, kennzeichneten bis zu den von November 1996 bis Februar 1997 t√§glich stattfindenden Massenprotesten des schnell wieder zerfallenen Oppositionsb√ľndnisses ¬ĽZajedno¬ę (Gemeinsam) die innenpolitische Lage, die aber in ihrem Ergebnis letzlich f√ľr das Regime noch nicht ernsthaft gef√§hrlich wurden. Allerdings mussten die Kommunalwahlergebnisse anerkannt werden; so amtierte in Belgrad seitdem ein von der Opposition gestellter B√ľrgermeister (zun√§chst Z. Djindjińá, seit Fr√ľhsommer 1997 ein Vertreter der SPO. Nach den Parlamentswahlen vom September 1997, bei denen das von der SPS gef√ľhrte Linksb√ľndnis siegte, versuchte die SPS die Opposition, v. a. die SPO, zum Teil in die Regierung einzubinden und dadurch zu neutralisieren (u. a. DraŇ°kovińá, Februar 1998 bis Ende April 1999 stellvertretender Ministerpr√§sidentFebruar 1998). Bei den Pr√§sidentenwahlen Ende 1997, bei denen die Opposition zum Boykott aufgerufen hatte, wurde nach mehreren Wahlg√§ngen Milan Milutinovińá neuer serbischer Pr√§sident (Kandidat der SPS gegen den oppositionellen Radikalen Vojislav Seselj).
 
Im M√§rz/April 1998 brachen die nationalen Gegens√§tze im Kosovo versch√§rft auf, was zu neuen Spannungen zwischen Serbien und Montenegro f√ľhrte; im Mai/Juni 1998 eskalierten sie zu einer internationalen Krise (drohender NATO-Einsatz; Flucht der Zivilbev√∂lkerung; K√§mpfe zwischen serbischer Armee und der ¬ĽBefreiungsarmee Kosovo¬ę, Abk√ľrzung UCK). Nach NATO-Milit√§raktion (24. 3.-10. 6. 1999) Abzug der serbischen Truppen aus der Provinz, die unter √úbergangsverwaltung der UN (Unmik) kam, womit eine weitgehende Autonomie innerhalb Serbiens gew√§hrt werden soll (Statusfrage weiter ungekl√§rt). Danach wurde den Serben die Bilanz der MiloŇ°evińá-Politik st√§rker bewusst: Zunehmende Spannungen mit Montenegro, au√üenpolitische Isolierung, Verlust angestammter serbischer Siedlungsr√§ume, Ruin des Landes. Seit Juli 1999 suchte die - in sich zerstrittene - Opposition den innenpolitischen Druck auf das Regime zu erh√∂hen. Eine 1998 gebildete ¬ĽAllianz f√ľr den Wandel¬ę blieb allerdings ebenfalls lange bedeutungslos. F√ľhrend in der Opposition gegen das MiloŇ°evińá-Regime wurde - neben der Demokratischen Partei, DS, um Djindjińá - wieder die SPO; zunehmend st√§rkeren Zulauf erhielt die Studenten- und B√ľrgerbewegung ¬ĽOtpor!¬ę (¬ĽWiderstand!¬ę; hervorgegangen aus den Studentenprotesten von 1996-97). Ungekl√§rte Morde an Funktion√§ren des Regimes (Winter/Fr√ľhjahr 2000) dienten zun√§chst noch der Versch√§rfung von Repressalien gegen√ľber der Opposition. In S√ľdserbien (in Gebieten mit erheblicher albanischer Bev√∂lkerung) stiegen ab Fr√ľhjahr 2000 erneut die nationalen Spannungen.
 
Zum Wandel kam es erst, als der Kandidat des Oppositionsb√ľndnisses ¬ĽDemokratische Opposition Serbiens¬ę (DOS), V. KoŇ°tunica, am 24. 9. 2000 als Nachfolger von S. MiloŇ°evińá zum Pr√§sidenten von Jugoslawien gew√§hlt wurde. Obwohl MiloŇ°evińá zun√§chst versuchte, das Wahlergebnis zu manipulieren, konnte er nach zweiw√∂chigen Protestaktionen (u. a. Generalstreik) und einer ¬Ľfriedlichen Revolution¬ę (5. 10.; Zentrum Belgrad) schlie√ülich zur Anerkennung des Wahlergebnisses und zum R√ľcktritt gezwungen werden. In Serbien einigten sich die Demokratische Opposition Serbiens und die Sozialistische Partei Serbiens auf die Bildung einer √úbergangsregierung unter Einschluss der Serbischen Erneuerungspartei; mit Milomir Minińá stellte die Sozialistische Partei Serbiens noch einmal den Ministerpr√§sidenten Serbiens (ab 24. 10.). Die EU beschloss am 10. 10. 2000, die Sanktionen gegen Jugoslawien aufzuheben; Wiederaufbau und wirtschaftliche Entwicklung des Landes sollen finanziell gef√∂rdert werden. Bei den Parlamentsneuwahlen f√ľr Serbien am 23. 12. 2000 konnte das Parteienb√ľndnis DOS erneut einen √ľberzeugenden Wahlsieg erringen: 64 % der Stimmen und 176 der 250 Sitze im Parlament. Zweitst√§rkste politische Kraft und Fraktion im Parlament wurde die Sozialistische Partei Serbiens um MiloŇ°evińá (13,8 %; 37 Mandate); die Jugoslawische Linke und die Serbische Erneuerungspartei verloren jeglichen politischen Einfluss. Djindjińá wurde am 25. 1. 2001 Ministerpr√§sident der ersten nichtkommunistischen Regierung Serbiens seit dem Zweiten Weltkrieg. Er steht vor der Aufgabe, die mit der ¬Ľfriedlichen Revolution¬ę begonnene wirtschaftliche Reformierung und Demokratisierung des Landes erfolgreich umzusetzen und dabei die ¬Ľgro√üen historischen Probleme¬ę zu l√∂sen, die sich unter dem MiloŇ°evińá-Regime angestaut haben. In S√ľdserbien, v. a. im PreŇ°evo-Tal, einem von der KFOR schwer kontrollierbaren Grenzgebiet zwischen dem Kosovo und Makedonien mit erheblicher albanischer Bev√∂lkerung (etwa 75 000), versch√§rften sich durch wiederholte Angriffe albanischer Freisch√§rler und Separatisten auf serbische Polizisten und Soldaten ab Fr√ľhjahr 2000 die ethnischen Spannungen. Sie weiteten sich im M√§rz 2001 durch √úbergriffe auf Makedonien zu einem drohenden neuen Konfliktfall f√ľr die ganze Region aus. Den von den militanten Albanern S√ľdserbiens gew√ľnschten Sonderstatus (Autonomie) beziehungsweise Anschluss an Kosovo lehnte die Regierung um Djindjińá bei weit gehender milit√§rischer Zur√ľckhaltung ab und blieb um eine politische L√∂sung bem√ľht. Das Gebiet war gem√§√ü einem Abkommen vom Juni 1999 zwischen der KFOR und der damaligen Regierung Serbiens zur f√ľnf Kilometer breiten entmilitarisierten Sicherheits- und Pufferzone erkl√§rt worden, aber ab Ende 1999 zum Aufmarsch- und R√ľckzugsgebiet der albanischen Separatisten in beiden L√§ndern geworden. Zur Konfliktl√∂sung wurde eine von internationalen Beobachtern √ľberwachte v√∂llige Entmilitarisierung in dem Gebiet gefordert. Mitte M√§rz 2001 schlossen die NATO (KFOR-Friedenstruppe) und Jugoslawien deshalb ein Stationierungsabkommen zum danach bis Ende Mai erfolgten stufenweisen Einr√ľcken von jugoslawischen Truppen in die gesamte Pufferzone. Die so genannte ¬ĽBefreiungsarmee von PreŇ°evo, Medvedja und Bujanovańá¬ę (U√áMB), die logistische Unterst√ľtzung aus dem Kosovo bezog, konnte nach heftigen K√§mpfen Mitte Mai 2001 im Gegenzug f√ľr Verhandlungen zur Aufgabe ihrer terroristischen Aktivit√§ten bewegt werden; Ende Mai stimmte sie ihrer Selbstaufl√∂sung zu.
 
Festnahme und Auslieferung von S. MiloŇ°evińá an das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag durch den serbischen Ministerpr√§sidenten Djindjińá 2001 (1. 4. beziehungsweise 28. 6.) wie allgemein dessen Kurs schneller Vergangenheitsbew√§ltigung vertieften die Spannungen zum jugoslawischen Pr√§sidenten KoŇ°tunica zum regelrechten Machtkampf; offensichtlich seit dem Auszug der DSS aus der serbischen Regierungskoalition (August 2201), nahm er - u. a. √ľber ein umstrittenes Arbeitsgesetz - an Sch√§rfe zu. Ende Januar 2002 wurden der Wojwodina vom serbischen Parlament wieder Autonomierechte zugestanden.
 
 
F. P. Kanitz: Das Königreich S. u. das Serbenvolk von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 3 Bde. (1904-14);
¬†C. Jireńćek: Staat u. Gesellschaft im mittelalterl. S., 4 Bde. (Wien 1912-19, Nachdr. Leipzig 1974, 1 Bd.);
¬†M. Mladenovińá: L'√©tat serbe au moyen √Ęge (Paris 1931);
 M. B. Petrovich: A history of modern Serbia 1804-1918, 2 Bde. (New York 1976);
 W. D. Behschnitt: Nationalismus bei Serben u. Kroaten. 1830-1914 (1980);
 
Istorija srpskog naroda, hg. v. S. Gavrilovińá u. a., 6 Bde. (Belgrad 1981-93);
 M.-J. Calic: Sozialgesch. S.s 1815-1941. Der aufhaltsame Fortschritt während der Industrialisierung (1994);
 Viktor Meier: Wie Jugoslawien verspielt wurde (21996);
 M. Olschewski: Der serb. Mythos. Die verspätete Nation (1998);
 
S.s Weg in den Krieg, hg. v. T. Bremer u. a. (1998).

* * *

SeŐ£r|bi|en; -s: Gliedstaat Jugoslawiens.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Serbń≠en ‚ÄĒ (t√ľrk. Sirp, slaw. Srbija), K√∂nigreich, zwischen 42¬į22 ‚Äď44¬į58 n√∂rdl. Br. und 19¬į10 bis 22¬į49 √∂stl. L., grenzt im N. an √Ėsterreich Ungarn (durch die untere Donau und die Save davon getrennt), im O. an Rum√§nien und Bulgarien, im S√ľden an Bulgarien… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Serbien [2] ‚ÄĒ Serbien (Gesch.). In √§ltester Zeit wurde das jetzige S. von Skordiskern, Dardaniern u. Triballern bewohnt; diese wurden von 29 bis 5 v. Chr. von den R√∂mern unterworfen u. das Land Moesia superior genannt u. zur Provinz Illyrien gerechnet. Bei der ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Serbien [1] ‚ÄĒ Serbien (Servien, t√ľrkisch Sirp od. Serf Vilajeti), 1) F√ľrstenthum, welches die zwischen Seitenzweigen des t√ľrkisch griechischen Gebirgssystems gelegene Berglandschaft der Morawa einnimmt, auf dem rechten Ufer der Donau liegt, im Osten von… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Serbien ‚ÄĒ Serbien, ein wald , thal und flu√üreiches, im N. von der Donau und Save, gegen Bulgarien vom Timok, gegen Bosnien vom Drin begrenztes, von der silberklaren Morava durchstr√∂mtes Hochplateau, dies und jenseits der Dinarischen Alpen und des… ‚Ķ   Damen Conversations Lexikon

  • Serbien ‚ÄĒ Serbien, Servien, t√ľrk. Vasallenstaat zwischen Bosnien, Albanien, Macedonien, Bulgarien, Walachei, der √∂sterr. slavon., serb. u. banat. Milit√§rgr√§nze, von der letztern durch Donau u. Save getrennt, ist 990 QM. gro√ü mit etwas √ľber 1 Mill. E. Das… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Serbien ‚ÄĒ –†–Ķ–Ņ—É–Ī–Ľ–ł–ļ–į –°—Ä–Ī–ł—ė–į Republika Srbija Republik Serbien ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Serbien ‚ÄĒ z. YU Srbsko ‚Ķ   Wiener Dialektw√∂rterbuch

  • Serbien ‚ÄĒ Ser|bien Ser|bien ‚Ķ   Dansk ordbog

  • Serbien ‚ÄĒ SeŐ£r|bi|en (Staat in S√ľdosteuropa) ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Serbien im Zweiten Weltkrieg ‚ÄĒ Serbien unter deutscher Milit√§rverwaltung 1941‚Äď1944 Serbien war im Zweiten Weltkrieg eines der Gebiete, in die Jugoslawien nach seiner Kapitulation 1941 zerschlagen wurde. Es wurde deutscher Milit√§rverwaltung unterstellt und erhielt eine eigene… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.